Krankenhäuser stehen vor Kollaps – Altersversorgung der Beschäftigten zukünftig nicht mehr bezahlbar
Viele Krankenhäuser in Deutschland sind nicht mehr wettbewerbsfähig und stehen vor dem Kollaps. Einer der Gründe dafür ist, dass sie durch die ständig steigenden Leistungen für die Altersversorgung erdrückt werden. In vielen Fällen wurden den rd. 300.000 Beschäftigten der Krankenhausbetriebe Altersversorgungs-Zusagen gemacht, die nicht mehr eingehalten werden können, weil die Lasten ständig steigen. Vor dieser Entwicklung warnt Branchenexperte Prof. Heinz Lohmann (Hamburg). Dies gelte insbesondere für Betriebe, die die Altersversorgung im Umlageverfahren - z.B. über die Versorgungsanstalt des Bundes und der Länder (VBL) und einige Zusatzversorgungskassen (ZVK) - betreiben. Der Anteil dieser Altersversorgungslasten an der Lohnsumme der Krankenhäuser in Westdeutschland beträgt schon heute mehr als 13 %.
Die steigende Nachfrage nach Gesundheitsleistungen vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung und der Fortschritte in der Medizin bei gleichzeitig begrenzten Finanzierungsmitteln zwinge die Politik mehr Wettbewerb zwischen den Gesundheitsanbietern zu realisieren, so Prof. Lohmann. 'Nur Krankenhausunternehmen mit einer wettbewerbsfähigen Unternehmensstrategie werden deshalb künftig in der Lage sein, auf dem Gesundheitsmarkt zu bestehen. Dazu gehört eine hervorragende Qualität der Medizin und eine Kostenstruktur, die den Preiswettbewerb mitmachen kann'. Neben der Fähigkeit, Investitionen in moderne Infrastruktur, wie Gebäude und Geräte, tätigen zu können, treffe dies auch auf flexible Altersversorgungssysteme zu.
Die erprobte Antwort auf die Probleme in der betrieblichen Altersversorgung seien kapitalgedeckte Lösungen. Die im Laufe des Arbeitslebens eingezahlten Beiträge würden verzinst und ständen im Rentenalter zusammen mit den Kapitalerträgen zur Deckung der Kosten zur Verfügung. Dadurch entstehe in den Unternehmen lediglich Aufwand für die aktiv Beschäftigten. 'Außerdem erwirtschaftet das Kapital im Laufe der Zeit einen beträchtlichen Anteil der späteren Rentenbelastungen', unterstrich das Vorstandsmitglied der Volksfürsorge für betriebliche Altersversorgung, Hans H. Melchiors. Die Volksfürsorge habe langjährig erprobte Systeme im Einsatz, die bei der Umstellung helfen.
Ein Beharren auf der Mitgliedschaft der Krankenhäuser in Versorgungswerken (VBL und ZVK) führt unweigerlich deren Unwirtschaftlichkeit herbei. Auch ein Verzicht auf tariflich zugesagte Gehaltsbestandteile, wie Urlaubs- und Weihnachtsgeld in den betroffenen Krankenhäusern, hilft nicht, da es sich bei den Beiträgen zur betrieblichen Altersversorgung nicht um kurzfristig auftretende, vorübergehende Kostenbelastungen handelt, sondern um ein langfristiges Strukturproblem. Einzig der Übergang auf eine kapitalgedeckte Versicherungslösung, z.B. in Form der Direktversicherung, bringt nachhaltigen Erfolg. Eine attraktive betriebliche Altersversorgung wird in den kommenden Jahren im immer härter werdenden Wettbewerb um gute Mitarbeiter ein entscheidendes Kriteriumsein.
Bisherige Umstellungsverfahren zeigen deutlich, dass die Kosten für einen Umsteuerungskurs von z.B. der VBL zu kapitalgedeckten Systemen, so hoch sie auch zunächst erscheinen mögen, sich in vielen Fällen rechnen werden. Wichtig ist, nicht nur die Altersversorgung auf Kapitaldeckung umzustellen, sondern auch die Neugestaltung des Systems zu betreiben.
Die Umstellung kann auch schrittweise erfolgen. So haben sowohl Chefärzte als auch leitende Angestellte in Krankenhäusern Vorteile, wenn deren Versorgung auf Kapitaldeckung umgestellt wird. 'Die Modernisierung der betrieblichen Altersversorgung ist ein zwingendes Muss. Für Kapitalanleger, die künftig eine immer entscheidendere Rolle, auch für Krankenhausunternehmen, spielen werden, sind strukturelle Kosten, ebenso wie die für die betriebliche Altersversorgung, ausschlaggebend bei ihren Entscheidungen', so Prof. Lohmann.
Einen wesentlichen Anteil am Neugeschäft der Volksfürsorge Deutsche Lebensversicherung AG im ersten Halbjahr 2006 hatte die betriebliche Altersversorgung (bAV).
Die Neuabschlüsse in der bAV haben sich gegenüber dem Vorjahreszeitraum mit einer Beitragssumme von 660 Mio. Euro um 57 % gesteigert. Ihr laufender Jahresbeitrag stieg um 76 % auf 24,5 Mio. Euro. Der größte Teil des Neugeschäfts entfiel auf die Direktversicherung, die gut 70 % der Neugeschäftsbeiträge ausmachte. Ein weiterer, wichtiger Durchführungsweg war die Unterstützungskasse. Die laufenden Beiträge aus dem Durchführungsweg Pensionskasse für die AachenMünchener Pensionskasse AG machten gut 7 % des Neugeschäfts im ersten Halbjahr 2006 aus.
Der Bestand erhöhte sich in der Beitragssumme deutlich auf 5,9 Mrd. Euro (plus 8,3 %). Rd. zwei Drittel davon sind Direktversicherungen. Ein Drittel entfällt auf Rückdeckungsversicherungen für Direktzusagen oder für die Unterstützungskasse.
Die betriebliche Altersversorgung wird damit auch in 2006 wesentlicher Wachstumsmotor für die Volksfürsorge sein.
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